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Die Männerwelt - zweite Ebene

Mal abgesehen von den Schwierigkeiten als Frau in Marokko entdecke ich seit langem eine weitergehende Ebene an Schwierigkeiten oder vielmehr Besonderheiten mit Männern


ich werde einige Situationen nennen, um das Verhältnis hier noch einmal zu verdeutlichen. Genannt sind hier Beispiele mit den Männern, die ich kenne. Das wäre F. Aus Marrakch und die Jungs hier in Ourzazate, mit denen ich arbeite.


Situation in M. Mit F.:


wir sind im Café mit einem Freund von F. und seiner Freundin. Die beiden Männer sprechen miteinander auf Arabisch, ich spreche mit der Freundin und sehe dann, dass ich WiFi Empfang habe: ich klicke auf meinem Handy rum und sehe am Nebentisch, dass der Mann dort ebenfalls am Handy rumdrückt. Ich spreche ihn an und frage, ob er das Passwort hat.

Ein schwerer Fehler – F. sagt mir das am nächsten Tag:

was macht sie da? Fragten sich F. und sein Freund instinktiv. Die Freundin ist selbst Französin, ihr Freund weiß im zweiten Moment, dass dieses Verhalten eben europäisch ist. Mir wurde verziehen.

F. hätte mir übrigens nichts von meinem „Fehler“ erzählt, wenn ich ihn nicht auf einen „Fehler“ aufmerksam gemacht hätte (er hat mir beim ersten Treffen ganz nüchtern gesagt, ich hätte zugenommen – BÄM!). Somit herrschte Ausgleich.

Ich frage F., ob ich theoretisch auch nicht einen männlichen, mir fremden Nebensitzer nach einem Feuerzeug fragen „dürfte“, selbst wenn ich an einem Tisch sitze nur mit Nichtrauchern. Nein. In dem Fall solle ich ihn informieren und er würde mir ein Feuerzeug organisieren.


Ähnlich funktioniert es umgekehrt: hier im Stammcafé mit allen Kollegen bin ich die einzige Raucherin. Ich saß mehrmals schon am Tisch mit einem männlichen Kollegen, und offensichtlich bin ich diejenige, die raucht. Trotzdem werden die Männer, bei denen ich sitze, nach dem Feuerzeug – nach meinem(!) Feuerzeug gefragt! „Meine“ Männer geben dann „mein“ Feuerzeug weiter.


Am Montag war ich mit K. einkaufen: offensichtlich war es nicht offensichtlich, dass K. In dem Moment meine Begleitung war – ein junger Mann sieht mich an, spricht mich an: „Ca va La Gazelle?“ - K. Antwortete für mich: „Labas allik“-gehts dir gut? - und der Mann erkennt die Situation und entschuldigt sich – bei K!


Sehr interessant sind die Aussagen, die mit Respekt zu tun haben:

Normalerweise laufe ich immer mit meinen Kollegen abends nach Hause. Ebenso letzten Samstag. Wir waren zu dritt und ein Mann ist uns entgegengelaufen. Als er an mir vorbeiging, murmelte er „Ja-salam“ - ich dachte erst, dies sei eine Begrüßung à la Salam al3ikum – K., der aber von den Jungs hier derjenige ist, der am meisten meinen Beschützer spielt, rief dem Mann dann leicht wütend hinterher, ob alles gut sei.

„Ja-Salam“ sei keine Begrüßung, sondern wäre ein Ausspruch für „gute“ Frauen, für „sehr gute“ Frauen. Mein anderer Kollege erklärt mir dann:

so ein Spruch an eine Frau, die mit Männern – mit Marokkanern! - läuft, zeuge von mangelndem Respekt. Mangelnder Respekt für die Männer neben mir, nicht für mich! Wer mich so anspricht, respektiert nicht mich nicht, sondern meine männliche Begleitung!


An diesem Denken ergibt sich für mich noch einmal, dass ich als Frau allein hier einfach aufgeschmissen bin! Nur mit Mann an der Seite werde ich in Ruhe gelassen - aus Respekt vor eben diesen Männern an meiner Seite! Kein Mann – kein Respekt!

Der Prophet Mohammed sagt, erklärt mein Kollege, der erste Blick auf eine Frau gerichtet ist verzeihenswert – stagniert der Blick auf der Frau oder blickt man ein zweites Mal, dann sei das gegen Mohammeds Intention. Das Blickverbot gilt sowohl für verheiratete als auch unverheiratete Frauen. Im Alltag hilft mir bei vielen aber nur ein Mann an der Seite, und selbst dann wird manchmal noch geguckt.


Ich muss nochmal sagen, dass die Männer, die ich hier gut kenne, v.a. die Kollegen hier in O. alle super, super, super nett sind. Im Umgang mit mir sind sie beschützerisch (in verschiedenen Abstufungen, s. K.) und auch respektvoll. Meine Tasche wird oft getragen, Preisverhandlungen übernommen etc. K. kocht für mich, und mein Apartment wurde vor meinem Einzug von zwei Kollegen geputzt und ich musste dahingehend nichts machen. Ich kann im Café alle Kollegen fragen, ob sie mir helfen, xy zu kaufen etc! Heute Morgen kam K. und verjagt mich mal wieder vom Abwasch..


Ich konstatiere, dass es als Frau nicht leicht ist und dass es nach einiger Gewöhnung und einiger Verhaltensregeln zwar leichter wird, aber dennoch eben nicht vergleichbar ist mit Europa. Aber deshalb ist Marokko ja Marokko – und das ist natürlich auch gut so.


22.11.14 12:17
 


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